Spiel & Emotionen

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BITTE BEACHTEN: Dieser Kurs ist bisher noch nicht als Onlinekurs verfügbar. Er wird derzeit als zweiter Teil des Vor-Ort-Intensivkurs Spezial über Spiel angeboten, welcher in Montreal im Juli 2018 und in Berlin vom 29.09. bis 03.10.2018 stattfindet. Auf dieser Website finden Sie dazu weitere Informationen. Der Kurs Spiel & Bindung ist der erste Teil des Vor-Ort-Intensivkurses Spezial über Spiel.

Emotionen brauchen das Spiel, und das Spielen braucht die Energie, die in unseren Emotionen liegt. Es scheint, dass diese beiden Dynamiken immer darauf angelegt waren, miteinander zu tanzen, aber mit dem Verlust der traditionellen Kultur haben sie heute größere Schwierigkeiten, einander zu finden. Evolutionsbiologen sagen uns, dass Spielen und Emotionen zur selben Zeit in der Evolutionsgeschichte auftauchten. Dies verleiht den Ergebnissen der Neurowissenschaften noch mehr Gewicht, nach denen diese „Ehe" bedeutsam ist und sozusagen im evolutionären Himmel geschlossen wurde. 

Diese Kombination von Emotionen und Spielen ist in unserer heutigen Gesellschaft in offensichtlichen Schwierigkeiten, und dies hat ernsthafte Auswirkungen auf unsere Kinder, unsere Familien, unsere Schulen und die Gesellschaft insgesamt. Wir haben die kulturellen Bande, die Emotionen und Spiel aneinanderknüpfen, verloren. Neue Erkenntnisse aus der Spielforschung offenbaren Folgendes:

 

  1. Die meisten problematischen Syndrome unserer Zeit wurzeln in Emotionen.

  2. Verspieltheit fehlt in verdächtiger Weise im gesamten Spektrum dieser Syndrome

  3. Die Kindheitsgeschichten der Menschen, bei denen solche Syndrome diagnostiziert werden,     weisen einen Mangel an echtem Spiel auf.

 

Im Interesse unserer emotionalen Gesundheit, für unser Wohlbefinden und das Wohlergehen unserer Kinder müssen wir dafür sorgen, dass Spiel und Emotionen wieder zusammenfinden. 

Der Schwerpunkt dieses Kurses liegt auf der Beziehung zwischen Spiel und Emotionen im Leben von Erwachsenen und Kindern. Eines der Hauptziele ist, unsere eigene Verspieltheit als Erwachsene zu nähren und Raum zu schaffen, damit Emotionen und Spiel so miteinander tanzen können, wie die Natur es angelegt hatte.

 

Kursbeschreibung

Emotion und Spiel gehören zu den Dynamiken, die besonders vernachlässigt werden. In der Lerntheorie – dem heutzutage vorherrschenden Paradigma – kommen Spiel und Emotion bei der Betrachtung der menschlichen Natur im Grunde gar nicht vor. Wenn man wie die Verhaltenspsychologie von der Annahme ausgeht, dass alles Verhalten zielgerichtet ist und daher durch seine Folgen beeinflusst werden kann, sind weder Spiel noch Emotion wichtig und werden bei den Untersuchungen nicht erfasst. Leider behandeln die meisten Eltern, Lehrer und „Experten" Verhalten als etwas Erlerntes – eine Annahme, die sich als vollkommen falsch erweist, wenn wir durch die Linse von Emotion und Spiel schauen.

Im medizinischen Modell (damit meine ich die Annahme einer Krankheit oder Störung) liegt der Schwerpunkt auf dem, was nicht in Ordnung ist – das nennen wir gestört, dysfunktional, abnorm. Spiel und Emotionen passen nicht in diese pessimistische Sicht der menschlichen Natur – trotz der Tatsache, dass alle mentalen Störungen auf Ursachen im limbischen (d.h. emotionalen) System, und die meisten Verhaltensdiagnosen auf zu wenig Spielen in der Geschichte des Klienten zurückgeführt werden können. Glücklicherweise liegt in der modernen Neurologie der Hauptschwerpunkt auf Emotionen, woraus sich ein ganz neues Studiengebiet ergeben hat – die affektive Neurowissenschaft. Und Spielen ist zu einem interdisziplinären Studienfeld geworden, das auch Kulturanthropologen, Evolutionsbiologen, Entwicklungspsychologen, Neurologen, Historiker und Philosophen anzieht. Aus diesem Forschungsbereich kommt uns eine Flut neuer Artikel und Bücher entgegen und liefert reichlich Stoff für ernsthaft Studierende. Für diejenigen von uns, die das Bedürfnis haben, die einzelnen Aspekte zusammenzufügen, stellt diese Materialvielfalt eine große Herausforderung dar.

Dieser Kurs handelt vor allem von der BEZIEHUNG zwischen Spiel und Emotion. Aus evolutionärer Sicht sind die Anfänge dieser Beziehung sehr deutlich, und das bereitet wiederum die Bühne für Schlussfolgerungen für unsere heutige Gesellschaft. Als in unserer Evolutionsgeschichte Emotionen auftauchten, wurden die grundlegenden Überlebensinstinkte der Reptilien durch machtvolle Überlebensemotionen ersetzt, die der Bindung dienen. Die Nähe zu denen, an die wir gebunden sind, erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit, und damit wird die Konfrontation mit Trennung das grundlegende Problem, das die Emotionen in Ordnung bringen sollen. Ein Dilemma liegt darin, dass diese primitiven Ur-Überlebensemotionen (ich denke an Frustration, Alarm und intensiviertes Nähestreben) manchmal genau die Bindungen bedrohen, denen sie eigentlich dienen sollen. Daher taucht, zur selben Zeit wie Emotionen im Säugetiergehirn erscheinen, auch ein anderes Kernsystem auf – das Spielen. Spielen erlaubt die Aktivierung von Emotionen und ihren Ausdruck ohne negative Rückwirkungen auf die Bindungen. Insofern wird das Spiel auch als Beginn jeder Kultur betrachtet. Entscheidend ist, dass Spiel und Emotion aufeinander bezogen sind – eine Verbindung, oder Ehe, die sozusagen in der Evolution angelegt ist. Wenn das Spiel aus der Gleichung fällt, sind endlose Probleme für Emotionen, Verhalten und Sozialisierung die Folge. Die Schlussfolgerungen für Elternschaft, Unterricht und Therapie sind umfassend.

Leider ist das Spielen – jedenfalls die Art von Spiel, die gebraucht wird – in unserer heutigen Gesellschaft aus der Gleichung gefallen, sowohl für Kinder wie für Erwachsene. Bei Kindern wird das Spielen zunehmend durch Bildschirme, Unterweisung, Unternehmungen, Unterhaltung sowie alle Arten von unechten Kopien des echten Spielens ersetzt. Dazu gehören Videospiele, ein Großteil des Sportes und was typischerweise in den Pausen und nach der Schule passiert. Bei Erwachsenen wurde Spiel von Arbeit und Unterhaltung verdrängt und vielleicht auch durch einige derselben Aktivitäten wie bei den Kindern.

Wie finden wir den Weg zurück? Wie erreichen wir, dass Emotion und Spiel wieder miteinander tanzen, so wie es ursprünglich gemeint war? Wie erschaffen wir im Leben unserer Kinder und in unserem eigenen Leben spielfreundliche Bedingungen? Wie werden wir selbst, als Erwachsene, spielerischer? Wo und was sind die emotionalen Spielplätze für Kinder und Erwachsene?

Der Kurs umreißt, was Spiel den Emotionen zu bieten hat und warum das Spielen eine absolute Notwendigkeit für emotionale Gesundheit und Wohlbefinden ist. Wir gehen intensiv darauf ein, wie wichtig es ist, Spielplätze für die Uremotionen Frustration, Alarm und intensiviertem Nähestreben sowie auch für die Instinkte von Alpha und Gegenwillen zu erschaffen. Wir gehen auch auf das Spiel mit Masken, Worten, Rollen, Monstern, Spielzeug, Musik, Stimmen, Trennung und mit dem Tod ein. Wir betrachten Spiel und Emotionen in der Therapie, in der Kunst, beim Lernen, in kreativen Tätigkeiten, im Humor (inklusive schwarzem Humor), im Schauspiel und im Alltagsleben. Wir unterscheiden emergentes Spiel, Ausdrucksspiel und soziale Spiele. Hoffentlich werden wir im Verlaufe dieses Prozesses entdecken, wie wir unsere eigene Verspieltheit als Erwachsene nähren können und uns den Raum gönnen, in dem Emotion und Spiel ihren delikaten Tanz tanzen können. Nichts könnte für die Entfaltung des menschlichen Potenzials wichtiger sein, bei Kindern wie bei Erwachsenen. 

Zielgruppe/Anwendungsbereiche

Die Themen sind universal und haben universale Anwendungsmöglichkeiten. Sie können als Eltern, Lehrer oder Therapeut teilnehmen oder einfach für sich selbst. Ein Vorwissen über die aktuelle Fachliteratur zum Thema Spiel und Emotionen wird nicht vorausgesetzt. Was vorausgesetzt wird, ist ein grundlegendes Verständnis des bindungsbasierten Entwicklungsansatzes, deswegen ist es nötig, mindestens Intensivkurs I und II abgeschlossen zu haben (Für die erste Durchführung dieses Vor-Ort-Kurses in Deutschland durch Dr. Neufeld selbst wurden diese Bestimmungen gelockert: Die erfolgreiche Teilnahme am Intensivkurs 1 und die Kenntnis von Lektion 2 und 3 des Intensivkurses II reichen aus, um in Berlin 2018 dabei sein zu können. Lektion 2 und 3 werden angemeldeten Teilnehmern zur Verfügung gestellt). Außerdem verpflichtend ist die vorherige Teilnahme an dem Kurs "Herzensangelegenheiten – Die Wissenschaft der Emotionen" (angeboten im Herbst 2017 und Frühjahr 2018) sowie das schriftliche Material Spielen verstehen (ab Mai 2018 als Buch auf Deutsch verfügbar) bzw. die Teilnahme an dem von Dr. Gordon Neufeld im Mai 2018 im englischen Campus angebotenen Onlinekurses Play 101), wie es in den gleichnamigen Kursen erworben werden kann, um die Bühne zu bereiten und sich auf die Beziehung zwischen diesen beiden Dynamiken konzentrieren zu können. Dieser Kurs baut auf dem Material von Spiel & Bindung auf, der den ersten Teil des Vor-Ort-Kurses in Berlin 2018 bilden wird.

Themen und Ziele

  • Unser Verständnis zu Spiel und Emotionen und das Verhältnis zwischen ihnen zu vertiefen

  • Spiel als grundlegendes, menschliches Bedürfnis sowohl von Kindern wie auch Erwachsenen wertzuschätzen und es nicht mehr für überflüssigen Zeitvertreib zu halten

  • Spiel unserem Bewusstsein nahe zu bringen, damit wir seinen Verlust in unserer Gesellschaft ausgleichen können

  • Unseren Kindern helfen, zu dem Spielen zu finden, das sie für ihre emotionale Gesundheit und ihr emotionales Gedeihen brauchen

  • Unsere eigene Verspieltheit als Erwachsene nähren

 

Wichtige Inhalte:

  • Warum Emotionen das Spielen braucht

  • Spiel als natürliche Therapie

  • Lachen und Humor als Spiel

  • Die Bedeutung von Albernheit und der Instinkt, sich bizarr zu verhalten

  • Die zivilisierende Wirkung des Spielens

  • Warum das Gehirn im Spielmodus besser arbeitet

  • Was Spielen mit Emotionen tun kann

  • Die dunkle Seite des Spielens

  • Wie Spielen das Herz erweichen kann

  • Wie Spielen dem Zur-Ruhe-Kommen dient

  • Die Rolle von Emotionen für das Überleben

  • Wie Emotionen sich negativ auf Bindungen auswirken können

  • Wie beim Spielen das Alarmsystem kalibriert wird

  • Die Rolle des Spielens für Kreativität

  • Wie Spielen Aggression zähmt

  • Wie Spielen die Neugier fördert

  • Wie uns Spielen für die Konfrontation mit Trennung vorbereitet

  • Inwiefern Spiel notwendig ist für unsere emotionale Gesundheit und Wohlbefinden

 

Kursablauf

Lektion 1  WIE das Spielen den Emotionen dient

Der Kurs beginnt mit einem Überblick der sechs Arten, wie das Spielen den Emotionen dient. Wenn den Emotionen das Spielen fehlt, das sie brauchen, um ihre Wirkung angemessen zu entfalten, leiden darunter emotionale Gesundheit und Entwicklung. Diese Themen ziehen sich durch den Rest des Kurses.

 

Lektion 2  WO das Spiel den Emotionen dient: Die Spielorte

Unsere Vorstellung von Spielen hat sich auf das reduziert, was Kinder mit Spielzeugen und auf Spielplätzen tun. In der Folge werden die traditionellen Spielorte, wo Emotionen zum Spielen herauskommen, nicht mehr gepflegt und so bewahrt, wie es sein sollte. Auch unsere Kinder haben nicht die Möglichkeit, diese Spielorte zu betreten. Wir erkunden einige der traditionellen Spielorte der Emotionen wie Musik, Bewegung, Geschichten, Kunst, Schauspiel und Humor.

 

Lektion 3  Wie das Spielen der FRUSTRATION und der Problemlösung dient

Die Uremotion bei Trennung, die Frustration, ist stark, machtvoll und potentiell zerstörerisch. Aggression und Gewalt können das gesamte Gewebe von Familie und Gesellschaft bedrohen. Spielen ist das ideale Instrument, um Gewalt zu zähmen, von Kleinkindern über Teenager bis zu alten Menschen. Wir erkunden das Thema des Angriffs im Spiel, inklusive Kunst, Musik und Gesellschaftsspielen. Wir betrachten auch das Spielen als Katalysator für die Entwicklung von Geduld, konstruktiven Fähigkeiten und sogar Kreativität beim Lösen von Problemen. 

Lektion 4  Wie das Spielen dem ALARMsystem dient

Unser Alarmsystem gehört zu den kompliziertesten emotionalen Systemen. Wir brauchen das Spiel, um dieses System auf die reale Welt vorzubereiten. Wir betrachten in dieser Lektion die Rolle von alarmierendem Spiel, inklusive Monstern, Hexen und Dämonen. Wir werfen einen näheren Blick auf Maurice Sendaks Kinderbuch Wo die wilden Kerle wohnen. Schließlich erkunden wir das Spielen im Hinblick auf die Behandlung von Ängsten und anderen auf Alarm beruhenden Problemen. 

 

Lektion 5  Wie das Spielen dem NÄHESTREBEN und der Identitätsbildung dient

Zu den häufigsten Formen spontaner Kindheitsspiele gehören Spiele, in denen eine Lücke geschlossen wird (z.B. Verstecken, Fangen) und in denen das Selbst im Spiel verändert wird (z.B. Verkleiden, Maskieren, Rollenspiele, Identitätsspiele). Wir erkunden den Zweck dieser Spielform, zu dem auch die situationsbezogene Heilung der Konfrontation mit Trennung sowie die Identitätsbildung gehören. Wir besprechen auch das Konzept der Integrität und deren Entwicklung beim Spiel.

 

Lektion 6  Wie das Spielen der RESILIENZ und ADAPTION dient

Spielen spielt eine grundlegende Rolle in unserer menschlichen Fähigkeit, uns von Widrigkeiten zu erholen und von dem, was wir nicht ändern können, positiv verwandelt zu werden. Sowohl Resilienz als auch Adaptionsfähigkeit sind sozusagen in Handarbeit von unseren Emotionen hervorgebracht und brauchen als solche die dienende Rolle des Spielens, um voll zum Ausdruck zu kommen. In dieser Lektion erkunden wir Verspieltheit als ein Erkennungsmerkmal optimalen Funktionierens. Wir besprechen auch, inwiefern echtes Spiel die Bedingungen erschafft, die Resilienz fördern und den entscheidenden Wendepunkt bei Resilienz und Adaption ermöglicht.

 

Lektion 7  Wie Spielen bei der Konfrontation mit Trennung hilft

Zu den schwierigsten Gegebenheiten, an die wir uns adaptieren müssen, gehören unsere Begrenzungen, unsere Endlichkeit und unsere Sterblichkeit. Wir erkunden, wie das Spielen einen Weg bahnt, um sich diesen Wirklichkeiten zu stellen und warum dies als Vorbereitung auf das echte Leben so wichtig ist. Wir betrachten besonders die Rolle von Märchen, Geschichten, Theater, Tragödie, Dichtkunst und Gesang.

 

Lektion 8  Wie das Spielen der SELBSTVERWIRKLICHUNG dient

Die vorherrschende Betrachtungsweise in Hinblick auf Selbstverbesserung und Transformation sind im Wesentlichen lauter Varianten des Themas Arbeit. Das Spielen wird in dieser Lektion als ein natürlicher, alternativer Pfad zu Selbstverwirklichung vorgestellt, indem wir der Natur erlauben, mit uns zu verfahren.

 

Wir beschließen diesen Kurs mit einer Diskussion darüber, wie wir in unserem Leben und dem Leben unserer Kinder für dieses lebenswichtige, den Emotionen dienende Spiel Raum schaffen können. 

 
 
 
 
 
 

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