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Reflektionen über Kinder verstehen

 

Als ich vor zwölf Jahren das Motto für das Neufeld Institut ausgewählt habe – Kinder verstehen – war ich überzeugt davon, dass Einsicht das Dringlichste war. Inzwischen bin ich mehr denn je davon überzeugt.

 

Es gäbe keinen Bedarf an Einsicht, wenn unsere Kultur ihre Weisheit weitergeben würde und unsere Gesellschaft die gesunde Entwicklung fördern würde. Es gäbe keinen Bedarf an Einsicht, wenn Reifwerdung automatisch geschehen würde oder wenn es eine Pille zum Erwachsenwerden geben würde.  Es gäbe wenig Bedarf an Einsicht, wenn das Leben eine Fähigkeit wäre, die man lernen könnte oder wenn Reife vorspielen diese real werden ließe. Es gäbe wenig Bedarf an Einsicht, wenn die „Experten“, von denen Eltern und Lehrer abhängig sind, selbst genügend Einsicht hätten.

 

Das Paradoxe des Informationszeitalters scheint zu sein, dass je mehr Wissen wir aufsaugen, desto weniger Weisheit wir erhalten. Wissen kann etwas Gefährliches sein, wenn wir die Bedeutung nicht erkennen. Zum Beispiel kann das Wissen darüber, was im Umgang mit dem Verhalten des Kindes funktioniert, während gleichzeitig kein Verständnis darüber herrscht, was das Problem verursacht hat und wie sich die Entwicklung entfaltet, tatsächlich die Lage noch verschlimmern.

 

Dennoch grassieren diese Art von oberflächlichen Ratschlägen heutzutage. Es ist ziemlich unverantwortlich von uns und sogar riskant, zu versuchen die Probleme in Angriff zu nehmen, wenn wir nicht verstehen, was falsch läuft. Je mehr Informationen wir haben, desto mehr Verständnis ist erforderlich, um dieses Wissen in Weisheit zu verwandeln.

 

Wir brauchen auch mehr Einsicht als jemals zuvor, weil wir die Kultur verloren haben, die unsere natürliche Intuition erweckt. Genau wie unsere Körper mehr in der Lage zu sein scheinen, ihren natürlichen Rhythmus zu finden, wenn sie in der Natur sind, haben wir leichteren Zugang zu unseren Intuitionen, wenn wir in einer Kultur leben, die entwicklungsgemäß freundlich ist.

 

Geben wir dieser Intuition ihr Wissen ohne Bewusstsein, dann ist es die Kultur, die die Weisheit durch Rituale, Traditionen und Bräuche beschützen muss. Wenn unsere Kultur ihre innewohnende Weisheit verliert, dann verlieren wir auch den Bezug zu unserer natürlichen Intuition. In diesem Fall wird die Einsicht unsere einzige Hoffnung auf die Wiederherstellung unserer natürlichen Intuition im Hinblick auf unsere Kinder.

 

Ein dritter Grund warum wir heutzutage die Einsicht brauchen ist, dass unsere Kinder anders sind als die Kinder von früher. Wir werden wunderbar fertig mit Kindern, die intensiv und tief an uns gebunden sind, mit Kindern, die bestrebt sind, uns zu gefallen, mit Kindern die unsere Signale aufnehmen. Die heutigen Kinder sind wahrscheinlich nicht so sehr in guter Beziehung zu den Erwachsenen, die für sie verantwortlich sind. Wir drücken bei ihnen die falschen Knöpfe und sie drücken die falschen Knöpfe bei uns. Nur Verständnis kann dies kompensieren bei Bindungen, die nicht richtig ausgerichtet sind.

 

Ein vierter Grund, warum Einsicht so nötig ist, ist das Verständnis, und nur Verständnis, uns wirklich die Fragen beantworten kann, was wir tun sollen, während wir gleichzeitig unser Vertrauen in uns selbst wiederherstellen. Die Wissenschaft der Wahrnehmung informiert uns darüber, dass das was wir tun, hauptsächlich das Resultat, von dem was wir sehen ist – nicht von dem, was wir wissen oder was wir gelernt haben. Wenn mich meine Studenten an der Universität fragen, was zu tun ist, dann antworte ich oft, „Ich sehe, dass Sie noch nicht sehen“. Aber da ist noch ein anderes Problem.

 

Ironischerweise verlieren wir unsere innere Sicherheit, wenn wir blind Instruktionen folgen, etwas, was wir uns als Eltern oder Lehrer nicht erlauben können. Noch einmal, die Lösung ist EINSICHT. Nur wenn wir unsere Kinder wirklich verstehen, werden wir unseren Weg zurück zu einem Zusammenspiel finden, welches effektiv und befriedigend und vertrauenswürdig ist.

 

Um das klarzustellen, ich rede NICHT über Einsicht bezüglich uns selbst oder unsere Reaktionen auf unsere Kinder, obwohl dies sicherlich hilft. Selbsterkenntnis wurde der Fokus einer wachsenden Anzahl von Ansätzen für Elternschaft heutzutage. Es gibt sicherlich Vorzüge von Selbstreflektion und darin, uns unserer selbst mehr bewusst zu werden, aber meiner Meinung nach bietet dies nicht die Lösung für die verlorene Intuition.

 

Zum Beispiel, ganz gleich wie reflektierend oder bewusst man ist, wenn man ein Kind als wütend wahrnimmt, während es in Wirklichkeit frustriert ist, wird das Zusammenspiel entsprechend fehlgeleitet. Ich bin überzeugt davon, trotz aller vergangenen Experimente, dass der beste Weg wirklich das Verständnis für unsere Kinder ist. Zu diesem Zweck setzen wir unsere Bemühungen im Neufeld Institut fort.

 

 

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